Rechtssatz
Sind gesetzliche Bestimmungen nicht vollkommen eindeutig, enthalten sie Unklarheiten über die Tragweite des Wortlautes und steht zudem eine höchstrichterliche Rechtsprechung als Entscheidungshilfe nicht zur Verfügung, kommt es darauf an, ob bei pflichtgemäßer Überlegung die getroffene Entscheidung als vertretbar bezeichnet werden kann.
1 Ob 9/76 | OGH | 21.04.1976 |
Veröff: EvBl 1977/16 S 41 |
1 Ob 15/87 | OGH | 24.06.1987 |
Veröff: EvBl 1987/179 S 655 = WBl 1987,275 = ÖBA 1988,91 |
1 Ob 29/92 | OGH | 25.07.1992 |
Auch; Beisatz: Nicht jede objektiv unrichtige Entscheidung eines Gerichtes zieht Amtshaftung nach sich. (T1) |
1 Ob 194/98f | OGH | 28.07.1998 |
Beisatz: Nicht jede Rechtsansicht, die von einer höheren Instanz allenfalls nicht gebilligt wird, begründet schon Rechtswidrigkeit und Schuldhaftigkeit des Verhaltens von Organen des Rechtsträgers. (T2) |
1 Ob 233/98s | OGH | 29.09.1998 |
Beisatz: Nicht jede Rechtsansicht, die von der höheren Instanz nicht gebilligt wurde, ist schon rechtswidrig; noch weniger muss das Verhalten von Organen des Rechtsträgers schuldhaft sein. (T3) |
1 Ob 98/00v | OGH | 06.10.2000 |
Vgl; Beisatz: Nach stRspr ist im Amtshaftungsprozess nicht wie in einem Rechtsmittelverfahren zu prüfen, ob die in Betracht kommende Entscheidung oder das zu beurteilende Organverhalten richtig war, sondern ob die Entscheidung bzw das Verhalten auf einer bei pflichtgemäßer Überlegung vertretbaren Gesetzesauslegung oder Rechtsanwendung beruhte. Nur die Abweichung von einer klaren Gesetzeslage oder stRspr, die nicht erkennen lässt, dass sie auf einer sorgfältigen Überlegung beruht, wird regelmäßig als Verschulden anzusehen sein. (T4) |
1 Ob 318/01y | OGH | 30.09.2002 |
Auch; Beisatz: Hier: Rechtsansicht der Interessenvertretung selbst bei nachfolgender Änderung der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs vertretbar. (T5) |
1 Ob 51/06s | OGH | 04.04.2006 |
Auch; Beisatz: Nicht jede unrichtige Auslegung unklarer Gesetzesbestimmungen muss schuldhaft sein. (T6) |
1 Ob 87/08p | OGH | 10.06.2008 |
Vgl auch; Beisatz: Hier: Vertretbare Rechtsansicht bei der Beurteilung des zeitlichen Anwendungsbereichs eines Gesetzes. (T7) |
1 Ob 86/09t | OGH | 26.05.2009 |
Vgl auch; Beisatz: Die bloße Unrichtigkeit einer Entscheidung begründet noch keine Schadenersatzpflicht. Vielmehr ist auch ein Verschulden des Entscheidungsorgans erforderlich. (T8); Beisatz: Geht es um die (unrichtige) Beurteilung von Rechtsfragen, ist Verschulden grundsätzlich nur dann zu bejahen, wenn der Entscheidung eine nach den Umständen unvertretbare Rechtsansicht zugrunde liegt. (T9); Beisatz: Das gilt sowohl für das Amtshaftungsrecht als auch in anderen Bereichen, in denen durch bindende Aussprüche eines Entscheidungsorgans in die Rechtssphäre einer Partei eingegriffen wird. (T10) |
1 Ob 105/17y | OGH | 28.06.2017 |
Auch; Beisatz: Hier: Rechtswidrige Ausfolgung eines zuvor (rechtswidrig) sichergestellten KfZ-Anhängers durch die Staatsanwaltschaft an jemand, der offensichtlich nicht zur Innehabung berechtigt war (vgl § 114 Abs 2 StPO). (T11) |
1 Ob 85/18h | OGH | 29.05.2018 |
Auch; Beis wie T4; Beisatz: Der Beurteilung der Richtigkeit der Vorgehensweise eines Organs kommt daher im Amtshaftungsprozess keine entscheidungswesentliche Bedeutung zu, wenn das Handeln des Organs – ohne aufzugreifende Fehlbeurteilung – als jedenfalls vertretbar eingestuft wurde. (T12) |
1 Ob 184/18t | OGH | 21.11.2018 |
Beis wie T12; Beisatz: Hier: Die richtige Auslegung der Vorschriften Punkt 6. Anhang VII der VO (EG) 562/2006 (Schengener Grenzkodex) (T13) |
1 Ob 38/23d | OGH | 21.03.2023 |
vgl; Beisatz: Hier: Bürgermeister durfte rechtlich vertretbar annehmen, dass noch kein unbedingt wirksamer Gemeinderatsbeschluss bestand und insoweit auch keine Kundmachung zu erfolgen hatte. Das gilt auch für das Handeln bzw Unterlassen der Aufsichtsbehörde. (T15)<br/>Anm: Vgl dazu 1 Ob 197/21h. |
Dokumentnummer
JJR_19760421_OGH0002_0010OB00009_7600000_002
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