Vor dem Hintergrund der derzeit diskutierten Reform des österreichischen Scheidungsrechts nimmt der vorliegende Beitrag eine Bestandsaufnahme und Systematisierung vor. Hierfür wird einerseits das österreichische Recht mit Fokus auf seine Verschuldensabhängigkeit erörtert, andererseits die Debatte um eine mögliche Abkehr von der Scheidung aus Verschulden durch einen funktionalen Rechtsvergleich informiert. Das rechtsvergleichende Herausarbeiten der Anatomie des Verschuldensprinzips soll verhindern, dass ein europäischer Trend als Postulat angenommen wird, obwohl ein solcher bei funktionaler Betrachtung gerade nicht existiert. Ferner legt der Beitrag dar, in welchen Rechtsordnungen ein Scheidungsverschulden abseits des Scheidungstatbestands Relevanz hat. Mit erweitertem Blickfeld unter Einschluss des Scheidungsfolgenrechts wird demnach die Notwendigkeit einer präzisen Verortung des Verschuldensprinzips deutlich.

