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Gibt es ein Europäisches Hochschulmodell?

1. AuflJänner 2009

I. Einleitung

Wenn von der Europäisierung der Hochschulen oder schlicht dem Schlagwort „Bologna“ die Rede ist, so wird dieser Prozess meist wenig differenziert aufgefasst und beurteilt. Ihm wird alles Mögliche und Unmögliche zugerechnet, und die Bewertung schwankt - überspitzt gesagt - zwischen der wundersamen Genesung der Hochschulen von allen Leiden99 ZB das BMWF, http://www.bmwf.gv.at/euinternationales/bolognaprozess/bologna_in_oesterreich: „Die Bologna-Erklärung hat den zur Zeit ihrer Entstehung bereits vorhandenen Internationalisierungsbestrebungen in Österreich eine neue Dynamik gegeben; schon länger geplante Reformen wurden in Angriff genommen bzw durchgeführt. Zusätzlich gibt sie den neuen und weiteren Initiativen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Hochschulsystems und seiner Absolventinnen und Absolventen den erforderlichen Impetus.“ einerseits und dem Untergang der Universität und von Bildung schlechthin1010 Typisch zB Brenner, Die Wüste wächst - Über die Selbstzerstörung der deutschen Universität, http://www.nachdenkseiten.de/?p=3031: „Das „Bologna“ des „Bologna-Prozesses“ … liegt in Belgien, es heißt in Wirklichkeit Brüssel, und es ist das Zentrum eines monströsen, ebenso universitäts- wie wissenschaftsfernen Bürokratisierungsprozesses, dem nichts fremder ist als die Freisetzung von Autonomie- und Kreativitätspotentialen an Universitäten.“ Differenzierter, aber in der Tendenz ähnlich zB Scholz, Das Bologna-Fiasko: Bitte endlich hinschauen, unilex 2007, 25; Liessmann, Die Universität und ihre Feinde. Über Idee und Wirklichkeit akademischen Forschens und Lehrens, juridikum 2008, 81 (82): „An der „Bologna“-Ideologie lässt sich so einiges über den Verfall der Universitätsidee und der damit verbundenen Bildungskonzepte überhaupt ablesen…“; grundlegender und breiter Liessmann, Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft (2006). Zum eher hilflosen Umgang der Hochschulpolitik mit dem Thema etwa Hackl, Österreichs Malaise mit dem Europäischen Hochschulraum, zfhr 2007, 165. andererseits. Eine Abgrenzung zwischen Gemeinschaftsrecht, Bologna-Prozess und den autonomen hochschulpolitischen Entscheidungen der Mitgliedstaaten fehlt meist, so dass sich einerseits die nationale Hochschulpolitik hinter „Bologna“ verstecken kann, andererseits „Bologna“ zum Sündenbock für problematische Entwicklungen wird.

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