Abstract: Dieser Beitrag analysiert die Entwicklungen des europäischen Asylsystems der letzten 10 Jahre und die umfassende Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Folge der „Flüchtlingskrise“ 2015. Die Autorin untersucht, ob der 2024 verabschiedete Migrationspakt die zentralen Schwachstellen des GEAS – mangelnde Rechtsbeachtung, fehlende Solidarität und mitgliedstaatliche Alleingänge – tatsächlich behebt. Die Analyse zeigt eine weitere Harmonisierung des Asylrechts, die Verstärkung der Außengrenzen durch beschleunigte Grenzverfahren mit haftähnlichen Bedingungen und das vorgeschaltete Screeningverfahren mit erweiterter biometrischer Datenerfassung, wie auch den Versuch, die Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen durch einen neuartigen Solidaritätsmechanismus und gezielte Krisenregelungen. Trotz punktuell verbesserter Verfahrensstandards bringt die Reform erhebliche Einschränkungen des Rechtsschutzes und verstärkte Externalisierungstendenzen mit sich.

